Welche Schule für mein Kind?

Wie jedes Jahr stehen jetzt die Entscheidungen an, in welche Schule oder weiterführende Schule soll mein Kind gehen. 

Für viele Eltern steht schon sehr früh fest, dass das Kind dringend aufs Gymnasium soll damit es Abitur machen kann. 

Ist das wirklich immer die beste Entscheidung? Hierzu habe ich mir mal ein paar Gedanken auch aus der eigenen Biografie gemacht. 

Auch ich sollte laut meinen Lehrern damals zum Gymnasium gehen. Mein Weg ging dann allerdings auf meinen Wunsch hin in ein Internat und auf die Realschule. Leider war es dort nicht so, wie Enid Blyton es in ihren Hanni und Nanni Büchern beschrieben hatte. (Ich war ein großer Fan dieser Buchreihe). Schnell überkam mich Heimweh. Dies hätte ich aber niemals zugegeben. Außerdem war ich ein sehr rebellisches und lautes Kind, das nicht in das von Nonnen geführte Internat passte. Also stellten mich die zum Internat gehörenden Ärzte mit Medikamenten ruhig. Somit waren meine Noten nur noch von Fünfern und Sechsern geprägt, da diese Medikamente stark schläfrig machten. 

Zum Glück haben mich meine Eltern, auf Anraten unseres Hausarztes, nach eineinhalb Jahren wieder nach Hause geholt. Das Abschlusszeugnis hat mein Vater vor meinen Augen verbrannt. Er sagte damals: “das warst nicht Du – jetzt kommt eine neue Zeit”. Ich ging zurück zur Hauptschule, auf der viele meiner alten Freundinnen und Freunde waren. 

Mit einem sehr guten Hauptschulabschluss hab ich dann die Handelsschule besucht und mich über den zweiten Bildungsweg in einer Wirtschaftsfachschule eingeschrieben, in der ich dann BWL studiert habe. 

Mein Resümee aus dieser eigenen Erfahrung: Nicht immer ist das Gymnasium für den späteren Lebensweg die richtige Entscheidung. Schon gar nicht, wenn dies ein reiner Elternwunsch ohne Rücksicht auf die Neigungen und Möglichkeiten der Kinder ist. 

Bei meinen eigenen Kindern, wobei die beiden Großen schon sehr speziell waren, hab ich mich für die Waldorfschule entschieden. Eine Schulform, die stark auf die Talente und Möglichkeiten der Kinder achtet. Die Temperamente der Kinder nutzt, damit Schule und Lernen leicht fallen. Bedingt durch einen Umzug haben wir auch die Schattenseiten dieser Schulform gesehen. Schnell war klar, dass Schule auch sehr abhängig von den Lehrern ist. Von deren eigenen Auffassung des Berufes. Somit sind dann beide Töchter in die Regelschule gegangen. Ledig mein Sohn, der damals nur noch ein Schuljahr vor sich hatte, hat die Waldorfschule abgeschlossen und ist nach der 11. Klasse mit dem Realschulabschluss abgegangen. Er ist dann in die Lehrer zum Garten- und Landschaftsbauer gegangen, was sein Traumberuf war. 

 Meine große Tochter hat die Hauptschule mit Bravour abgeschlossen und ihren Traumberuf Masseurin/med. Bademeisterin erlernt. Später als Kosmetikerin weitergebildet und ist in ihrem Beruf sehr erfolgreich.  Unsere jüngste Tochter, die für ihr Leben gerne gelesen hat und gelernt hat, hat dann auf der Gesamtschule Abitur gemacht und Personalwesen studiert. 

Warum ich das hier so ausführlich schreibe. Weil jedes Kind anders tickt und anders lernt. Die Wünsche und Sehnsüchte der Eltern sollten gerade in der Wahl der Schule eine untergeordnete Rolle spielen. 

Noch heute gibt es viel zu viele Eltern, die ihre Kinder in die eigenen Träume und Sehnsüchte drängen. Ganz fatal kann es werden, wenn schon bei der Geburt feststeht, dass das Kind später auf jeden Fall in die Fußstapfen der Eltern treten soll. Den eigenen Betrieb übernehmen soll. Eventuell entwickelt sich der eigene Sprössling nicht in die Richtung Geschäftsmann/Geschäftsfrau. Vielleicht gibt es künstlerische Neigungen, die hier vorrangig sind und gefördert werden sollten. Eine handwerkliche Begabung ist genauso förderungswürdig wie eine intellektuelle Begabung. 

Ich denke, dass Eltern immer das Beste für ihr Kind möchten. Warum also nicht auch in dem schulischen Bereich? 

Nicht immer ist das Abitur die richtige Wahl. Daher ist es wichtig sich mit Lehrern und dem Kind zu besprechen. 

Auch bei einem Haupt- oder Realschule-Abschluss, gibt es immer die Möglichkeit des 2. Bildungsweges. Nicht jedes Kind ist ein Durchstartet, sondern es gibt viele sogenannte Spätzünder. 

Lasst also den Kindern die Möglichkeit sich zu entwickeln. Es gibt viele Beispiele für sogenannte Schulversager, die in ihrem späteren Leben großartiges geleistet haben. Das beste Beispiel dafür ist Albert Einstein. 

Hab also den Mut, dich für dein Kind und gegen die allgemeine Meinung zu entscheiden. Ich wünsche mir viele glückliche Schulkinder, die ihren eigenen Weg finden.